Reflexionen des Alltagswahnsinns

Hirnschmiede Sennerin


In eigener Sache 0

Veröffentlicht am Juni 27, 2009 von Sennerin

Morgen gehts los - Koffer immer noch nicht gepackt! Stimmung pendelt zwischen “Vorfreude” und “ohgottohgott”. Bevor das finale Chaos ausbricht, nutzte ich noch eben die Zeit, um den Lesern eine schöne Zeit zu wünschen. Bitte außerdem um Verständnis, dass in den nächsten 13 Tagen etwaige Kommentare erstmal in der Warteschleife zwischengeparkt werden. Bis bald, mit hoffentlich grandiosen Islandbildern.

Der Brandner Kaspar - Luisenburg 3

Veröffentlicht am Juni 26, 2009 von Sennerin

Dicke Jacke, festes Schuhwerk, Wollsocken und Decke - nicht unbedingt das typische Theateroutfit. Eine andere Kleiderwahl wäre jedoch purer Leichtsinn, wie manch Luisenburgneuling schon leidvoll erfahren musste, handelt es sich doch um eine Freilichtbühne, umrahmt von Felsen, umschwärmt von Mücken. Zimperlich sollte man nicht sein, wenn man sich in den Sommermonaten nach oben begibt, denn zum Ende hin wird es fast immer empfindlich kalt. Egal ob tosender Regen, Sturm oder - wenn man viel Glück hat - laue Sommernacht: Gespielt wird bei jedem Wetter.
“Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben” - wer in Bayern aufgewachsen ist, kennt das Stück von Kindesbeinen an. Daher strömten zur gestrigen öffentlichen Generalprobe auch zahllose Menschen auf die Luisenburg und bescherten selbiger ein ausverkauftes “Haus”.
Zum Inhalt: Der Boandlkramer (alte bayr. Bezeichnung für den Tod) kommt zum Brandner Kaspar und will ihn holen. Mit List, Tücke und “Kerschgeist” schwatzt ihm Brandner jedoch weitere 18 Jahre ab und allsbald munkelt man über den tollkühn gewordenen Alten. Er gerät in Verdacht, mit dem Teufel einen Pakt geschlossen zu haben. Nach drei Jahren verunglückt Brandners Enkelin Marei und Petrus erfährt, dass der Totgeglaubte noch unter den Lebenden weilt. Außer sich vor Zorn zitiert der heilige Portner den Boandlkramer zu sich und befiehlt ihm, den Alten zu holen. Der Tod befindet sich in einer Zwickmühle, will er doch sein Wort gegenüber Brandner nicht brechen. Also greift er nun selbst zu einer List und lockt den Kaspar - nur zum Schauen - in den Vorhof des Paradieses. Weiterlesen →

Claudia Koreck - live in Erbendorf 0

Veröffentlicht am Juni 21, 2009 von Sennerin

Gestern die Open-Air-Saison eröffnet - bei Temperaturen, welche die Bezeichnung “sommerlich” nicht im Ansatz verdient hätten und einem nicht minder unangenehm kalten Wind. Claudia Koreck ist jetzt auch nicht so wirklich mein Ding, aber der Auftrittsort lag quasi nebenan, die Eintrittspreise waren moderat und man ist ja durchaus aufgeschlossen. Die Location entpuppte sich schon mal als angenehm: Umrahmt von altem Gemäuer und - haha - schattenspendenden Bäumen stand es sich doch ganz nett, da oben auf dem Hügelchen mit bester Sicht auf die Bühne. Einen Hauch von Verona vermittelte die zu unseren Füßen liegende Steintreppe, auf deren Stufen sich todesmutig viele Zuschauer niederließen. Bewaffnet mit dicken Decken und - jawoll - Autofußmatten.
Dann gings auch schon los… Frau Koreck freute sich - quasi über alles und jeden, gab das Honigkuchenpferd vom Anfang bis zum Ende. Letzteres drohte bereits nach dem zweiten Song: Strom wech! Machte aber nix, denn die Sängerin brüllte tapfer gegen den Wind an, man möge doch näher kommen, jetzt ginge es erstmal akustisch weiter. Ohne Mikro und Verstärker entpuppt sich manche Band in Handumdrehen als Gurkentruppe. So quasi objektiv als Nichtfan sei gesagt, dass die Musiker um Claudia Koreck ihre Instrumente beherrschen und die Sängerin die Bezeichnung als solche wirklich verdient. Der Stromgott hatte aber doch recht schnell wieder ein Einsehen, daher gings mit Wumms und Schmackes weiter. Egal ob druckvoll und knackig oder balladesk ruhig (irgendwo klang “Nothing else matters” durch, isch schwör!), handwerklich wirklich famos. Nach knapp zwei Stunden kündigte sich das nahende Ende an, Frau Koreck hüpfte immer noch wie ein Gummiball und strahlte. Das Publikum erklatschte - ebenfalls begeistert - fünf Zugaben… äh, ich denke, es waren fünf. Bei Zugabe Nummer 3 sank mein Zuckerspiegel rapide und ich stürmte gen Fressbude, die praktischerweise in Bühnennähe lag. Mit einem letzten ruhigen Song, allein an der Gitarre, entließ Claudia Koreck die Zuschauer in die Nacht. Fazit: Ich würde mir zwar keine CD kaufen (da kann Frau Koreck allerdings nix für), ein Livekonzert jedoch uneingeschränkt weiterempfehlen. Nachstehend eine Kostprobe vom Tollwood Festival in München.


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“Brügge sehen… und sterben” - Filmkritik 0

Veröffentlicht am Juni 17, 2009 von Sennerin

Die Profikiller Ken (Brendan Gleeson) und Ray (Collin Farrell) landen nach einem verpatzten Auftrag in Brügge und warten dort auf einen Anruf von Boss Harry (Ralph Fiennes). Man hätte aus der Story einen bereits hundertmal gesehenen Klischeegangsterstreifen drehen können… oder eine herrlich makabere und vor schwarzem Humor strotzende Filmperle. Regisseur Martin McDonagh entschied sich für die zweite Variante, die Dank den ungleichen Hauptdarstellern wunderbar funktioniert. Dies zeigt sich bereits in den ersten Szenen, als die beiden mit einem Boot durch die malerische Stadt dümpeln. Während Ken über den gotischen Baustil doziert, sitzt Ray trotzig wie ein kleines Kind da und findet Brügge schlichtweg “beschissen”. Die Ankunft in einem kleinen Hotel erweist sich als nächster Schock: Es wurde nur ein Zimmer reserviert. Die Aussicht, zwei Wochen mit Ken auf engstem Raum verbringen zu müssen, ist für den dauerpöbelnden Ray schier unerträglich. Während sein Partner auf einen Kirchturm stapft, um die Aussicht zu genießen, legt er sich mit drei amerikanischen Touristen an. Hier wird herrlich fies jedes Klischee aufs Korn genommen. Weiterlesen →

Island - ins Reich der tollen Trolle! 7

Veröffentlicht am Juni 16, 2009 von Sennerin

So langsam wird es ernst. Heute wurde ich gleich mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass eine Dokumentation über Island läuft. Die Mitreisende bläute mir noch ein, dass ich das Ganze gefälligst aufnehmen soll. Jawoll *salutier*, die Festplatte des DVD-Recorders rödelt bereits vor sich hin. Der bereits schleichend aufkeimenden Flugangst (in knapp 1 1/2 Wochen geht es los) versuche ich mittels prall gefülltem Terminkalender tapfer entgegenzutreten. Konzert, Kabarett, Filmclub, Theater, Karaoke (ojwei), ich brüllte bei allem “JA”. Hoffentlich findet sich irgendwann noch ein Stündchen zum Kofferpacken.
Das wichtigste Utensil neben der Kamera wird wohl der MP3-Player sein. Mittels sedierender Musik treibe ich die Stewardessen vielleicht nicht vollends in den Wahnsinn. 2.600 Kilometer Wegstrecke in 12 Tagen - so der Plan. Die Insel will also komplett umrundet und erkundet werden - mittels Mietwagen und einer Wegbeschreibung, die uns hoffentlich immer zur richtigen Unterkunft lotsen wird. Diese unaussprechlichen Namen kann sich ja kein Mensch merken. Vor Jahren sah ich einen Multimediavortrag über Island und seitdem lässt mich die Insel nicht mehr los. Und jetzt endlich die Gelegenheit beim Schopf gepackt, diverse Internetseiten wurden durchwühlt und letztendlich gebucht. Sö, du magische Insel und Heimat der Trolle… watch out, ich reise an! Möge der Wettergott ein Einsehen haben, die Mitternachtssonne zauberhafte Kulissen erschaffen und sich der Mietwagen als zuverlässiger Begleiter entpuppen.

Neue Platten: Naomi Shelton 0

Veröffentlicht am Juni 15, 2009 von Sennerin

Vorab sollte ich vielleicht anfügen, dass ich Gospel normalerweise so gar nichts abgewinnen kann. Dann stieß ich auf Naomi Shelton und mir klappte die Kinnlade nach unten. Die Dame groovt wie Hölle - sang bereits als Kind in der Baptistenkirche von Alabama, später waren diverse Soulclubs im Umkreis von New York quasi ihr Wohnzimmer. Ihre Stimme ist dunkel, kraftvoll, erdig und katapultiert den Hörer eher in die nächstbeste Blueskaschemme am Mississippi als in eine Kirche. Sheltons röhrendes Organ erinnert stellenweise an Marla Glen (selbige dereinst - man glaubt es nicht - im evangelischen Vereinshaus Weiden live gesehen!). Wo waren all die Plattenproduzenten in den letzten Jahrzehnten? Erst vor Kurzem wurde bei Daptone-Records das erste reguläre Album von Naomi Shelton & The Gospel Queens veröffentlicht, unter Mitwirkung von drei Musikern der Dap-Kings. “What have you done, my brother?” heißt die Scheibe und hiermit ergeht eine Kaufempfehlung an alle, die Ohren haben! Wahrhaftige Soulmusik von einer Ausnahmekünstlerin… und wer kann schon eine halbe Diskokugel mit Würde auf dem Kopf tragen? Coole Frau, hallelujah!


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Feed the Head 0

Veröffentlicht am Juni 14, 2009 von Sennerin

“Feed the Head” (KLICK) ist eine völlig sinnfreie interaktive Spielerei, trotz allem irgendwie faszinierend. Wer ein paar Minuten Zeit investiert und etwas rumprobiert, kann diverse wunderliche Sachen entdecken. Zum Beispiel allerlei Getier unter der Schädeldecke. Verbrochen hat das Ganze “Vectorpark” (KLICK).

Neue Platten: The Gossip 6

Veröffentlicht am Juni 11, 2009 von Sennerin

An Beth Ditto kommt derzeit irgendwie keiner vorbei. Modefanatisch, klein, dick und lesbisch - kommt auch schon alles zusammen. Kann das? Darf das? Die Presse rudert immer noch hilflos umher und sucht verzweifelt nach einer passenden Bezeichnung: “Stil-Ikone”, “Freak”, “Trash-Queen”, “groteske Erscheinung”, … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Sie wird gefeiert und gehasst. Einige sehen in der “fetten Lesbe aus Arkansas” (Zitat von Beth Ditto) anscheinend ein Alien und wissen überhaupt nicht mehr, welche Schublade sie zuerst aufmachen sollen. Und während selbige noch mit Sortieren beschäftigt sind, sprengt Beth Ditto derweilen mal wieder lässig den Rahmen: Fast 100 Kilo bei 1,55m - trotzdem saß sie bei den Pariser Fashion-Shows in der ersten Reihe neben Kate Moss und ließ die umherstaksenden Hungerhaken wohl noch dünner aussehen. Grandios!
Mitunter gerät bei all dem Hype fast in Vergessenheit, dass die dralle Dame in erster Linie als Frontfrau der Disco-Punk-Funk-Band “Gossip” auf den Bühnenbrettern steht und dort die Sau rauslässt (gern auch mal mit Hang zum Exhibitionismus). Selten wurde ein Name besser gewählt - die Klatschpresse gießt entweder kübelweise Gemeinheiten aus oder überschlägt sich fasziniert. Und Beth Ditto? Isses wurscht, was andere über sie denken. Sie ist einfach da. Punkt! Die Musik ist  sowieso ein Knaller - “Standing In The Way Of Control” war 2006 der Hammersong aus dem gleichnamigen Album. Am 23.06.2009 erscheint “Music for Men”. Produziert hat das Ganze Rick Rubin, was kein Schaden sein dürfte. “Dimestore Diamond” (ich lausche soeben auf einer Promo-CD) ist ein minimalistisches Bass-Monster - in seiner Reduziertheit mit dermaßen Wumms und Schmackes ausgestattet, dass es eine wahre Freude ist. Kommt auch vollkommen ohne Gekreisch aus - Beth Ditto schnurrt sich geschmeidig cool durch den Song. Selbigen gibts jedoch nicht als Video, daher muss nun “Heavy Cross” herhalten (mit Gekreisch, aber ein äh…”Grower”).

“Heavy Cross” aus dem Album “Music for Men” von Gossip


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Japanisches Springkraut 1

Veröffentlicht am Juni 10, 2009 von Sennerin

Der Dialog im letzten Beitrag erinnert mich an den im Freundeskreis immer wieder gern genommenen Running-Gag “Japanisches Springkraut”. Eine der hervorstechendsten Eigenschaften von C. ist die Devise “einfach mal was behaupten, wenn das Gegenüber es nicht besser weiß, schindet man zumindest Eindruck!”.  Ich für meinen Teil kenne mich mit Blümchen & Co.  so überhaupt nicht aus, was sich auch in der Pflege der selben niederschlägt. Grünzeug, egal welcher Art, hat bei mir meist ein kurzes Leben. Meine botanischen Kenntnisse erstrecken sich lediglich soweit, dass ich ein Gänseblümchen von einem Kaktus unterscheiden kann. Weiterlesen →



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